Beim Tennis hilft Begeisterung, bei der Rückhand leider nur begrenzt. Dabei ist die Grundidee erfreulich übersichtlich: Man spielt einen Ball über ein Netz und versucht, ihn im gegnerischen Feld unterzubringen. Das lässt sich zu zweit machen oder zu viert, falls man die Verantwortung für das Ergebnis etwas großzügiger verteilen möchte. Schwierig wird es bei den Einzelheiten. Davon hat Tennis genug, um einen auf Jahre zu beschäftigen. Man kann sich eine Weile erfolgreich einreden, man habe den Sport inzwischen verstanden. Dann kommt ein Ball auf die Rückhand.

Besonders eigensinnig wird die Sache, wenn man eine Bewegung längst beherrscht und ausgerechnet beim wichtigen Punkt wieder darüber nachdenken muss. Unter Druck können Ablenkung oder zu viel bewusste Kontrolle eingeübte Abläufe stören. „Choking under Pressure“ heißt der Leistungseinbruch in der Sportpsychologie. Der Kopf möchte helfen und stellt sich dabei gelegentlich etwas ungünstig hin. Das ist immerhin tröstlicher als die Vorstellung, man habe zwischen zwei Aufschlägen sämtliche Fähigkeiten verloren. Für den Punkt gibt es deshalb allerdings keine Ermäßigung.

Erstaunlich viele Menschen setzen sich dem freiwillig aus. Der Global Tennis Report von November 2024 erfasst weltweit knapp 106 Millionen Spielende, gegenüber 84,4 Millionen in der Ausgabe von 2019. Dazu zählen auch Menschen, die nur einmal im Jahr spielen. Für Deutschland liegt eine andere, aktuellere Messgröße vor: Der Deutsche Tennis Bund meldet 2026 rund 1,55 Millionen Vereinsmitglieder, gut 36.000 mehr als im Vorjahr. Von einer allgemeinen Krise des Interesses kann angesichts dieser Entwicklung kaum die Rede sein. Ob ein einzelner Verein seine Rechnungen bezahlen kann, steht freilich auf einem anderen Blatt. Eine wachsende Weltstatistik bezahlt noch keine Hallenheizung.

Und Solingen? Für einen ähnlich belastbaren Vergleich der örtlichen Tennisentwicklung fehlt in den geprüften Quellen eine entsprechende Zahlenreihe. Einen Boom sollte man der Stadt deshalb nicht einfach unterschieben. Interessanter ist ohnehin, was sich tatsächlich verändert. Bei der TSG Solingen an der Dingshauser Straße stellt sich das Tennistraining personell neu auf. Der Verein präsentiert Olaf Schröder als neuen Cheftrainer; seine Tennisschule heißt TOS.

Mehrere rote Tennisplätze mit Netzen, Sitzbänken und Bäumen im Hintergrund.
Blick über die Außenplätze der TSG. Foto: Privat · Für Klingenblick freigegeben

Schröder beschäftigt sich nach eigener Darstellung seit mehr als drei Jahrzehnten mit dem Unterrichten dieses Spiels. Auf seiner Website nennt er die Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer und DTB-Lizenzen im Wettkampfsport. Auch als Spieler war er unterwegs, unter anderem in der zweiten Bundesliga. Mich interessiert an einer Tennisschule vor allem, wie sie mit den unterschiedlichen Menschen auf dem Platz umgeht: mit einem Kind, das gerade anfängt, ebenso wie mit einem Erwachsenen, der einen bestimmten Schlag schon lange verbessern möchte und inzwischen eine recht ausführliche Geschichte dazu erzählen könnte. Schröder beschreibt seine Arbeit als individuell und auf die jeweiligen Lernenden abgestimmt.

Das Programm reicht vom Bambini- und Jugendtraining bis zu Angeboten für Erwachsene. Für Anfänger und Wiedereinsteiger führt TOS „Fast Learning“, ein Format, das rasche erste Spielerfolge ermöglichen soll. Wer bereits Wettkämpfe spielt, findet Angebote zur Turniervorbereitung; außerdem gehört Cardio-Tennis dazu. Damit sind verschiedene Wege in den Sport vorgesehen. Das erscheint sinnvoll: Wer zum ersten Mal einen Schläger in die Hand nimmt, hat andere Fragen als jemand, dessen Aufschlag beim Stand von 5:4 plötzlich eine eigene Meinung entwickelt. Dazwischen liegt viel gewöhnliches Tennisspielen. Auch das verdient ordentliches Training.

Zum Wechsel gehört ein konkreter Termin: Nach Angaben der TSG endet die Zusammenarbeit mit der Tennisschule Indra Riediger zum 1. Oktober 2026. Für bestehende Gruppen ist deshalb vor allem wichtig, wie es mit ihren Trainingszeiten weitergeht. Ein vollständiger neuer Stundenplan ist auf den geprüften Seiten noch nicht veröffentlicht; die konkrete Einteilung muss bei Verein oder Tennisschule erfragt werden. Das ist der unspektakuläre Teil einer Veränderung, der im Alltag ziemlich schnell zum wichtigsten werden kann. Schließlich muss das Training auch in die Woche passen.

Wiese mit blühendem Klee entlang des Zauns der Tennisplätze.
Grünfläche entlang der Tennisplätze. Foto: Privat · Für Klingenblick freigegeben

Irgendwann darf der Schläger dann liegen bleiben. Zum Vereinsleben gehört für mich auch die Möglichkeit, nach dem Spiel noch zusammenzusitzen. Schon deshalb, weil eine knappe Niederlage eine sorgfältige Nachbesprechung verdient. Gelegentlich dauert sie länger als der entscheidende Ballwechsel. Bei der TSG hat sich auch an diesem Ort etwas verändert: Kimon Kyriazidis ist als Nachfolger von Vincenzo Saturno in die Vereinsgastronomie gekommen. Das Solinger Tageblatt berichtete über den Wechsel und die mediterrane Ausrichtung. Das Restaurant wird heute als Trattoria bei Kimon geführt.

Ein Blick auf die öffentliche Lieferkarte macht das Angebot greifbarer: Pizza, Pasta, Salate und Desserts, dazu griechische Akzente etwa bei einer Pizza mit Tomaten, Feta und Zwiebeln oder der Variante Kreta mit Spinat und Feta. Die Karte im Restaurant kann davon abweichen. Für einen Verein ist eine solche Gastronomie aus meiner Sicht ein wichtiger Teil des gemeinsamen Alltags. Dort können auch Menschen zusammenkommen, deren sportliche Ziele wenig miteinander zu tun haben. Beim Essen muss schließlich niemand dieselbe Leistungsklasse mitbringen.

Holztische und Stühle unter Sonnenschirmen neben der Glasfront des Clubgebäudes.
Sitzplätze auf der Terrasse mit Blick auf die Tennisplätze. Foto: Privat · Für Klingenblick freigegeben

Bei der TSG verändert sich, wie trainiert wird und wo man anschließend zusammenkommt. Was daraus im Vereinsalltag wird, lässt sich an neuen Namen allein noch nicht ablesen. Der interessante Teil beginnt mit den gewöhnlichen Wochen, wenn Trainingsgruppen ihren Rhythmus finden und aus einem gelegentlichen Besuch eine Gewohnheit werden kann. Tennis liefert dafür zumindest einen verlässlichen Anlass: Ganz fertig wird man mit diesem Spiel vermutlich nie. Für den nächsten Versuch findet sich immer noch etwas. Meistens auf der Rückhand.

Quellen & Transparenz

  1. Global Tennis Report 2024 · Weltweite Beteiligung und Erhebungsmaßstab ↗
    Quellenveröffentlichung: 28.11.2024 · Abgerufen: 08.09.2026
  2. Deutscher Tennis Bund · Bestandserhebung 2026 ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  3. TSG Solingen · Chefcoach TOS und Trainingswechsel zum 1. Oktober ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  4. TOS · Trainingsangebote ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  5. TOS · Selbstauskunft Olaf Schröders ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  6. Solinger Tageblatt · Öffentlich zugängliche Zusammenfassung zum Gastronomiewechsel ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  7. Trattoria bei Kimon · Aktueller Anbieterauftritt und Lieferkarte ↗
    Abgerufen: 08.09.2026
  8. Lee, Acuña, Kording und Grafton · Fachlicher Hintergrund zu Choking under Pressure ↗
    Quellenveröffentlichung: 18.05.2018 · Abgerufen: 08.09.2026

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